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Freitag, 30. April 2010
...eat-art...vol. 3
02:32 |
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Daniel Spoerri, Wenn alle Künste untergehn, die edle Kochkunst bleibt bestehn, 1969
Schokolade ist ein imposantes Material. Wer meine Neigung zu Torten, Keksen und eben dieser sinnlich-süßen Kakaogenüsse kennt, wird verstehen, was ich damit meine...
Eine ganz andere Art der Nutzung begegnete mir allerdings in diesem, mit Schokolade gestrichenen Raum. Ein Kunstwerk mit dem Titel: Stroke (Aus farblichen Gründen fiel es mir allerdings schwer, die Bank zu benutzen. Ich hatte den Eindruck gewonnen, auch sie könnte aus Schokolade bestehen...)
Anja Gallacio, Stroke, erstmals: 2007
Meine Arbeit wird eher durch die Einladung zu einer Ausstellung angeregt, als dass sie das Ergebnis meiner Atelierpraxis wäre. Ich neige dazu, sehr formal auf einen Raum zu reagieren, und verwende oftmals Raster und Wiederholungen, was gegen ein minimalistisches Beharren auf Objektivität gerichtet ist. Nichts - die Kunst inbegriffen - ist für die Ewigkeit. Die Vorstellung von Vergänglichkeit ist untrennbar mit meiner Arbeit verbunden. (...) Es hängt allein vom Sammler ab, wie lange dieses Ereignis dauert.
Anja Gallacio hat in diesem Interview eines der verbindendsten Elemente der eat-art angesprochen. Die Vergänglichkeit zieht sich, allein aufgrund der Materialien, wie ein rotes Band durch diese Kunstrichtung. Und so eint es auch diese Ausstellung, die von ihrer Komplexität lebt. Das Schöne an Eating the Universe ist tatsächlich, die Vielfalt der Künstler und auch die unterschiedlichen Generationen, denen sie entstammen. So kann man sich als Besucher einen kompletten kunsthistorischen Abriss bezüglich der eat-art und ihrer Entwicklung erarbeiten. Zum anderen besticht die Ausstellung auch durch die Nutzung diverser Ausdrucksformen und Medien, die zwischen raumgreifenden Installationen, auf Film gebannter Performance und dem bestickten Geschirrtuch variieren.
Judith Samen, Reibekuchenwand / P.O.P. Performance ohne Publikum II, 2002
Christian Jankowski, Kochstudio, 2004
Neben echten Lebensmitteln, die die Wände zieren und in Gläsern stecken oder in Videos ausgekotzt, bzw. penetriert werden, finden sich auch einige Ausstellungsstücke, die keinen Ekelfaktor in sich bergen. Eines dieser Kunstwerke ist Christian Jankowskis Kochstudio, die studentisch aber liebevoll eingerichtete Küche des Künslers, in der lediglich die vielen Fernsehapparate verwundern. Die meisten Menschen kennen Küchen und das, was sich darin abspielen sollte wohl nur noch aus dem Fernsehen und was liegt da näher, als genau diesen Umstand zu thematisieren, wenn man sich im Convenience-Zeitalter mit dem Thema Essen beschäftigt. Jankowski, der es liebt der Gesellschaft und ihren einzelnen Grüppchen auf einfach-ironische Weise den Spiegel vors Gesicht zu halten, hat in eben dieser Küche mit einem der bekanntesten Fernsehköche, Alfred Biolek, eine Bohnensuppe gekocht. Die Aufzeichnung dieser Anbiederung der Kunst an die Unterhaltungsindustrie flackert nun in der Küche über die Bildschirme und nimmt sich selbst aufs Korn. (Eine weitere Videoarbeit Jankowskis ist aktuell auch in Hamburg zu sehen).
Zeger Reyer, Rotating Kitchen, 2009
Im Gegensatz zu Jankowskis Studentenküche präsentiert sich die Zerstörungswut von Zeger Reyer. Getreu den Performance-Ursprüngen zu Beginn der eat-art Bewegung hat Zeger Reyer seine Rotating Kitchen kreirt. Da von ihr zur Zeit meines Besuches allerdings nicht viel mehr geblieben war, als klappernde Schranktüren und ein Haufen Müll, habe ich hier noch ein Video gesucht, dass die Anfänge dieses Artefakts zeigt...
mehr aus der eat-art-Serie....
mehr über die Ausstellung:
Galerie im Taxispalais, Innsbruck, 24. April – 20. Juni 2010
Kunstmuseum Stuttgart, 18. September 2010 – 9. Januar 2011
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Donnerstag, 29. April 2010
...eating the universe...
04:24 |
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Vor einigen Wochen ging eine außergewöhnliche Ausstellung zu Ende. Ich hatte das Glück sie in Düsseldorf im K20 gesehen zu haben, einem unprätentiös anmutenden Kunstort, der sich seit langem auf das Wesentliche konzentriert: Die Kunst!
Im Jahr 1968 eröffnete Daniel Spoerri in Düsseldorf das Restaurant Spoerri, wo diverse Events zur Verbindung der Themen Essen und Kunst dienten. Fortan war eat-art Spoerris Terrain und begleitet ihn bis heute. 1970 folgte die Gründung der Eat Art Galerie, ebenfalls in Düsseldorf, wobei sich Spoerris Idee manifestierte, das Kunst sich auf die Lebenspraxis der Menschen zurückbesinnen sollte, wobei Essen für ihn einen unmittelbaren Teil darstellte. Seine Arbeiten, die sich oft auch auf politische und soziale Gebiete vorarbeiteten, spielen mit Bildern unserer Wohlstandsgesellschaft und ihrer Verschwendungssucht.
Kein Wunder ist es also, dass gerade Spoerri in der Ausstellung Eating the Universe besonderer Platz eingeräumt wurde.
Natürlich kamen aber auch andere Künstler zum Zuge, auch wenn der Fokus bei Ihnen thematisch nicht immer auf dem Essen liegt, sondern Lebensmittel oft lediglich als Material dienen. Ein Künstler, der sich eingehend mit der industriellen Herstellung von Konsumgütern und auch Lebensmitteln beschäftigt, ist in der Ausstellung mit einem Video vertreten, das ich hier vorstellte.
Morgen folgt dann der zweite Teil der Bilderflut: mit einer sich drehenden Küche, Schokoladenräumen und großen Häufen.
Im Jahr 1968 eröffnete Daniel Spoerri in Düsseldorf das Restaurant Spoerri, wo diverse Events zur Verbindung der Themen Essen und Kunst dienten. Fortan war eat-art Spoerris Terrain und begleitet ihn bis heute. 1970 folgte die Gründung der Eat Art Galerie, ebenfalls in Düsseldorf, wobei sich Spoerris Idee manifestierte, das Kunst sich auf die Lebenspraxis der Menschen zurückbesinnen sollte, wobei Essen für ihn einen unmittelbaren Teil darstellte. Seine Arbeiten, die sich oft auch auf politische und soziale Gebiete vorarbeiteten, spielen mit Bildern unserer Wohlstandsgesellschaft und ihrer Verschwendungssucht.
Kein Wunder ist es also, dass gerade Spoerri in der Ausstellung Eating the Universe besonderer Platz eingeräumt wurde.
Daniel Spoerri, Herdöpfelschälerli, 1963-1979
Daniel Spoerri, Tableau piège, 1972 (diverse)
Natürlich kamen aber auch andere Künstler zum Zuge, auch wenn der Fokus bei Ihnen thematisch nicht immer auf dem Essen liegt, sondern Lebensmittel oft lediglich als Material dienen. Ein Künstler, der sich eingehend mit der industriellen Herstellung von Konsumgütern und auch Lebensmitteln beschäftigt, ist in der Ausstellung mit einem Video vertreten, das ich hier vorstellte.
Arpad Dobrian, Churut - Milch für unterwegs, seit 2006 (getrocknete Sauermilch, Getreide, Kräuter, Glas)
Morgen folgt dann der zweite Teil der Bilderflut: mit einer sich drehenden Küche, Schokoladenräumen und großen Häufen.
mehr aus der eat-art-Serie....
mehr über die Ausstellung:
Galerie im Taxispalais, Innsbruck, 24. April – 20. Juni 2010
Kunstmuseum Stuttgart, 18. September 2010 – 9. Januar 2011
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