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Montag, 17. Mai 2010

...speer...



Credit: albert speer und partner / Stadtteil Anting

Die farbenfrohe Wohnsiedlung, die hier zu sehen ist, könnte in einer deutschen Vorstadt beheimatet sein, in Plochingen oder Giesing. Auch ein städtebauliches Projekt für Bramfeld oder Potsdam dürfte sich von diesem kaum unterscheiden. Jedoch haben wir es hier nicht mit einer kleinen Siedlung, sondern mit einem Wohnort, geplant für ca. 50.000 Personen, zu tun. Außerdem liegt der Stadtteil nicht im mitteleuropäischen Raum sondern in Shanghai, wo er sich in die Nachbauten von britischen und spanischen Städtchen eingliedert. (Ein Artikel über die Plagiate war damals im Tagesspiegel erschienen.)

Credit: albert speer und partner / Masterplan Anting

Verantwortlich für den Masterplan der Export-Stadt Anting war das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner (wer alte Nazi-Suppen aufgewärmt und serviert bekommen möchte findet im Internet willige Lieferanten). Statt dem erhofften deutschen Universitätsstädtchen mit Fachwerk und Kirche lieferte der Stadtplaner Speer allerdings ökologische Wärmedämmung und Mülltrennung. Hinzu kamen grüne Inseln und ein eigener Balkon für jede Wohnung. Das mag trotz der bunten Farben langweilig und nüchtern wirken, aber es ist ein gutes Beispiel für Speers Philosophie und Arbeitsweise, die er den Kongressteilnehmern des ADC am Freitag vorstellte. Obschon als Architekt arbeitend, gilt seine Leidenschaft der Stadtplanung und Entwicklung, die für ihn immer im Dienste der Bewohner und deren Bedürfnisse stehen muss. Zugleich räumt er ökologischen und strukturellen Aspekten große Bedeutung ein.


Credit: albert speer und partner / Zukunftsstudie Bangkok 21

 
Credit: albert speer und partner / Verkehrsentwicklung  Akwa Ibom, Uyo, Nigeria

Credit: albert speer und partner / Strategischer Generalplan, Kairo

Weltweit sind Speers Kenntnisse bezüglich dieser Bereiche gefragt und so arbeitet er auf allen Kontinenten im Dienste der zukunftsorientierten Urbanität. Zudem war die Arbeit seines Büros Inspirationsquelle für das Buch Ein Manifest für nachhaltige Stadtplanung - Think Local Act Global. Auf der Seite des Verlages ist zu lesen:


In einer Zeit der globalen Erwärmung gewinnt die Entwicklung eines zukunftsfähigen, Ressourcen schonenden Städtebaus an Bedeutung. Ausgehend von den ökologisch durchdachten, weltweiten Projekten des Büros Albert Speer & Partner, formulieren die beiden Autoren Jeremy Gaines und Stefan Jäger ein zukunftsweisendes Konzept für den umweltverträglichen Städtebau, das für alle Architekten Vorbildcharakter haben sollte. Themen wie urbane Dichte, Zersiedelung, Ressourcenschonung oder neue Technologien werden in dem Band ebenso erörtert wie die Frage: „Was kann getan werden, um Städte zu sanieren und mit neuem Leben zu füllen?“




...mehr vom ADC (Art Directors Club)...
...mehr Architektur... 





Dienstag, 4. Mai 2010

...centre nikidou...





Ich liebe Großstädte. Das hat auch mit den Möglichkeiten zu tun, die sie uns eröffnen. Für viele Dinge gibt es hier Freiräume, die wir aus anderen Gegenden nicht kennen. Einer dieser Freiräume ist der Architektur vergönnt. Sie dient hier oftmals der Unterstreichung von Prestige, Macht oder Reichtum, was immer wieder zu Innovationen und außergewöhnlichen Neuerungen führt. Schließlich sind die Bauten in der Großstadt nicht nur der Unterbringung von Mensch und Arbeit zugedacht. Vielmehr übernimmt ihre Außenwirkung hier eine derart große Rolle, dass sie des öfteren hinter Nutzen und Praktikabilität zurückfällt. Wie inspirierend manch architektonisches Meisterwerk auf andere Kreative wirken kann, zeigt das folgende (bereits etwas ältere) Video (zur Reisevorberietung ist es mit französischen Untertiteln versehen ; ). Hierin erklärt der Architekt und Designer Tinker Hatfield, wie ihn das Centre Pompidou zum Design eines Schuhs bewegte, der noch heute weltweit Menschen glücklich macht. Und auch mir persönlich gefällt er noch besser, seitdem ich den Eindruck gewonnen habe ein Stück Paris am Fuß zu tragen...

Sonntag, 2. Mai 2010

...du monde arabe...






Im Frühjahr gibt es nur wenig Schöneres, als einen Kurztrip nach Paris. Die Stadt versinkt in den rosa Blüten der Zierkirschen, die Sonne hat bedeutend mehr Energie als in Deutschlands Norden und die Frauen, die Pariser Frauen empfangen das Frühjahr einfach stilsicherer. Mir fielen noch tausend andere Gründe ein, weswegen man in jedem Jahr eine Reise in die silberne Stadt unternehmen sollte. Da sind die Flohmärkte, die zauberhaften Gemüse- und Obstläden und die vielen Ausstellungen, die man noch gerne besucht, bevor sich die Sommerhitze durch die Straßen wälzt. Wenn man regelmäßig nach Paris reist stellt sich zudem die schöne Erfahrung ein, dass man die großen Sehenswürdigkeiten, wie Eiffelturm und Louvre längst abgefeiert hat. Zwar wird man sich das ein oder andere immer wieder ansehen, wie ich mir das Centre Pompidou oder meine liebsten Bilder im Musée d'Orsay, dennoch schleicht sich hier eine Entspanntheit ein, die einen gegen Touristengruppen immun werden lässt. Man kann sich also treiben lassen und am Rande der ausgetretenen Touristenpfade Neues entdecken.    
In meinem Fall war eine dieser Entdeckungen das Institut du monde arabe, das direkt an der Seine liegt und von seiner Terrasse einen wunderschönen Blick auf selbige bietet. Nahe der Sorbonne und einigen anderen Fakultäten nimmt es eine herausragende Stellung ein, was in der außergewöhnlichen Architektur begründet liegt. Erbaut im Jahre 1987, wurde hier eine Glaswand mit vorgelagerten Irisblenden installiert, die eine imposante Gemelage aus arabischer Ornamentik und moderner Technologie darstellt, die sehr beeindruckend und  unbedingt sehenswert ist. Geplant wurde das Gebäude von Jean Nouvel, der hierfür mit dem Aga Khan Award ausgezeichnet wurde. Es dient dem interkulturellen Austausch und sorgt durch zahlreiche Ausstellungen für ein Informationszentrum auf hohem Niveau mitten in Paris.


beide via: postpunkkitchen










Montag, 12. April 2010

...essen fürs folk!



Menschen und Bäume, gespiegelt in einem Ausschnitt von Andreas Gursky,  Prada II, 1997


Ein neues Museum ist für eine Stadt ein Prestige-Objekt von großer Bedeutung. Städte wie Bilbao konnten durch einen Neubau, wie das dortige Guggenheim-Museum, große Aufmerksamkeit auf sich ziehen und weltweite Beachtung finden. Und welcher Kunstinteressierte hatte schon Herford auf der Landkarte, bevor es das MARTa gab? 
Dennoch bleibt es nach wie vor entscheidend, dabei Geschmack und Feingefühl zu beweisen. Das gilt vor allem dann, wenn eine Stadt über einen jahrzehntelangen Ruf als Kunstort verfügt. Daran muss sich nun auch Essen messen lassen. Das dortige Museum Folkwang ist eine Institution und verfügt über eine ausgesprochen wertvolle Sammlung. Dieser geschichtsträchtige Ort, der in Essen seit 1921 beheimatet ist und fortan ein Garant für moderne Kunst war, hat während der Nazi-Zeit einen großen Teil seiner Sammlung und damit an Bedeutung eingebüßt. Die so genannte entartete Kunst sollte in Deutschland nicht mehr zu sehen sein und wurde seinerzeit von den Machthabern entwendet. Trotzdem und durch Rückkäufe und Neuerwerbungen, verlor das Museum zwar ein Wenig an Bedeutung aber nicht an Beachtung.


Im Jahr 2010 ist Essen nun im Rahmen der Ruhr2010 zu einer der europäischen Kulturhauptstädte ernannt worden und pünktlich zu diesem Ereignis wurde im Januar der Museumsneubau eröffnet. Die Stadt hat die Finanzierung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung zu verdanken, den teuren Unterhalt allerdings muss sie selbst bestreiten, was angesichts knapper Kassen zu Kürzungen in anderen Bereichen wird führen müssen. Die neuen Räumlichkeiten, gestaltet von dem Stararchitekten David Chipperfield, erscheinen wuchtig, streckenweise fast klotzig, bieten allerdings viel Raum für Kunst und auch Phantasie. Dennoch gilt es nun diesen kathedrale-artigen Bau auch zu bespielen, vielleicht auch, ihm etwas entgegen zu setzten.   



Was bleibt ist die Frage, ob man in Essen befähigt ist, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die Ansprüche, die der Neubau schürt, gilt es zu erfüllen, um aus dem Prestige-Bau auch eine hochwertige Pilgerstätte für Kunstliebhaber zu machen. Die aktuelle Ausstellung Das schönste Museum der Welt, versammelt große Namen der Kunst, die früher einmal zur Sammlung des Museums gehörten. Die Idee der Kuration ist einleuchtend und schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. Innovativ und kreativ allerdings, ist sie nicht. 



Montag, 29. März 2010

...sommerschuh?





Nach der langen Eiszeit blinzeln nun endlich die ersten Sonnenstrahlen über den Dächern und nötigen uns wieder zur Sonnenbrille zu greifen. Die empfindlich gestiegenen Temperaturen lösen Frühlingsgefühle aus und auch wenn Frau in diesem Winter schon permanent Röcke trug, so kann sie jetzt doch die Mützen und Schals und Handschuhe und Jacken und... im Schrank verschwinden lassen. Doch, bei all der Wärme kommt auch eine gewichtige Frage auf: Welches Schuhwerk trägt sie in den nächsten Monaten.
Ein unglaubliches Modell schuf der britische Architekt Julian Hakes, der mit seinem  Mojito-Shoe sämtliche Konzepte der Fußbekleidung außer Kraft zu setzen scheint. Inspiriert durch die Fußabdrücke, die ein Mensch im Sand hinterlässt, entwarf er einen Schuh, der auf eine Sohle im klassischen Sinn vollständig verzichtet...




So I set to exploring this question in a similar way to how I would design a bridge, examining the forces and looking at the most simple, elegant yet poetic expression of the forces at play within the materials used. With this approach I then set about wrapping my foot in tracing paper, then binding it up in masking tape and then drawings various geometries onto and over the form of my foot. The next stage was rather dangerous as I had to cut the shape off my foot with a scalpel and not damage the pattern or my foot. The design this produced is a single wrapped geometry which starts under the ball of the foot and then over the bridge, then sweeping down below the heel before then twisting back on itself to provide the support for the heel and ankle. This form felt light and airy on the foot. So we called it the ‘Mojito’ as it was rather like a twist of lime skin. The material choice is simple: The shoe is a laminate with Carbon fibre for the core which gives the shoe its spring and strength, leather on the foot side and rubber on the walking wearing side. 3 materials, each doing a specific job.                                        Julian Hakes    

Bislang gibt es den Mojito-Shoe allerdings nicht zu kaufen und bis es soweit ist, werden womöglich noch einige Mojitos die Kehlen hinunter fließen. Wer allerdings wissen möchte, ab wann eine Massenproduktion der Fall sein könnte, wenn es auch nur ist, um sich diesen Schuh ins Regal zu stellen, der kann Julian Hakes auf Twitter folgen. Und wer sich nicht für Schuhe interessiert betrachtet einfach die gelungenen und sehenswerten Brückenbauprojekte des Architekten.





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