Freitag, 8. Januar 2010

...isa hängt bei daniel!



In einem Spiegel gespiegelt: Isa Genzken, Hommage à Jasper Johns, 2009 


Er ist schwer zu finden, dieser Ort im tiefsten Westen Berlins. Fasanenstraße 30 ist die Adresse, in einer Gegend, die voll ist von Galerien, die vielmehr an die 80er Jahre erinnern, denn mit der hippen Mitte-Kunstwelt vergleichbar zu sein. Ich bin mir sicher vor dem richtigen Haus zu stehen, aber neben dem Sansibar-Sylt-Shop scheint nur eine andere Galerie zu Hause zu sein. Da bemerke ich glücklicherweise die schwarze Fahne, die über meinem Kopf weht und stelle fest, dass ich mich nicht getäuscht habe.
Hinter goldenem Klingelschild und schwerer Tür eröffnen sich mir im ersten Stockwerk des Hauses die Räume der Berliner Dependance der in Köln ansässigen Galerie Daniel Buchholz. Auf knarzendem Parkett erkunde ich also die Ausstellung Wind der deutschen Isa Genzken. Die 61-jährige, die lange Jahre mit Gerhard Richter verheiratet war, hatte im  vergangenen Jahr erst eine große Retrospektive ihrer Werke für das Museum Ludwig gestaltet. Hier in Berlin präsentiert Genzken, die 2007 vom Magazin Monopol zur bedeutendsten lebenden Künstlerin ernannt wurde, nun Ihre neuesten Arbeiten. Die Anti-Modernistin hat hierfür Wandobjekte und eine Installation aus mehreren Skulpturen angefertigt, die sich mit Hilfe ihrer multiplexen Materialität der Gegenwart widmen. Zerbrechlich oder gebrochen, irgendwo dazwischen scheinen die Antworten zu liegen. Michael Jackson taucht immer wieder auf, zwischen, hinter und unter den Materialien unserer post-modernen, globalisierten Welt. Grell präsentieren sich Plastikfiguren auf fragil erscheinenden Türmen. Wenn Boris Groys in der aktuellen Ausgabe von art schreibt: Künstler und Kuratoren stehen unter dem Zwang, ihre Praxis theoretisch und kritisch legitimieren zu müssen. Die Theorie wird so zum Teil des Kunstgeschehens (Boris Groys, Professor für Philosophie, art jan. 2010, S. 66) klingt das bei Betrachtung dieser Arbeiten nicht mehr nach Utopie, sondern nach längst eingetretener Realität. 


In Genzkens jüngsten Arbeiten sieht man sich mit den Grundmiseren der heutigen Bildhauerei konfrontiert: dem Terror der universellen Gleichwertigkeit und Austauschbarkeit aller Objekte und Materialien sowie der gleichzeitigen Unmöglichkeit, eine transgressive Definition von Skulptur mit Selektions- oder wenigstens Beurteilungsprioritäten beziehungsweise -kriterien zu versehen. 
(Benjamin Buchloh, 'All Things Being Equal: Isa Genzken', Artforum, Nov. 2005, S. 222-225)







Isa Genzken, Wind II (Michael Jackson), 2009



Isa Genzken, Wind I (David), 2009


Detail einer Installation - Isa Genzken, Wind  (D), 2009



Die Werke sind noch bis zum 30. Januar einsehbar.


Daniel Buchholz Galerie
Fasanenstr. 30
Berlin


di-fr      11-18
sa         11-16


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